Zum Inhalt springen
1 Min. Lesezeit Demokratie und Gesellschaft

Unternehmen und Demokratie / Europäische Bewegung Deutschland

Laut einer Umfrage der "Europäischen Bewegung Deutschland" (EBD) betrachten viele Unternehmen die demokratische Stabilität als zentrale wirtschaftliche Voraussetzung und sehen sich grundsätzlich in der Verantwortung, die Demokratie zu schützen – bevorzugen dabei jedoch überparteiliches statt parteipolitisches Engagement.

"Die Rolle von Unternehmen für die demokratische Resilienz in Deutschland", lautet der Bericht, herausgegeben von der Europäischen Bewegung Deutschland e.V (EBD). Die im Auftrag der EBD im Rahmen eines Projekts mit dem Europarat durchgeführte repräsentative YouGov-Befragung umfasste 505 Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten. Die Mehrheit der Befragten sieht die Demokratie als relevanten Stabilitätsrahmen, wobei Grund- und Freiheitsrechte, Rechtsstaatlichkeit und freie Wahlen als besonders wichtig gelten. 58 Prozent bewerten die EU-Mitgliedschaft als vorteilhaft für ihr Unternehmen, nur 13 Prozent sehen überwiegend Nachteile. 44 Prozent erkennen einen Zusammenhang zwischen demokratischer Stabilität und wirtschaftlichem Erfolg, insbesondere durch Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen. 81 Prozent sehen wirtschaftliche Akteure in der Verantwortung, zum Schutz der Demokratie beizutragen. Dabei besteht eine klare Präferenz für überparteiliches, grundsatzbezogenes Engagement (z. B. öffentliche Positionierung zu demokratischen Grundsatzfragen: 71 %, Unterstützung gesellschaftlicher Organisationen: 70 %), während parteipolitische Kritik oder Unterstützung mehrheitlich abgelehnt wird (37 %). Motiviert wird das Engagement vor allem durch normative Gründe (38 %) und wirtschaftlichen Eigennutz (30 %). Es zeigt sich jedoch ein „Engagement-Gap“ zwischen Haltung und Handlung: Ein größerer Teil der Unternehmen setzt bislang keine Maßnahmen um, behindert durch Risiken wie Polarisierung in der Belegschaft (32 Prozent sehnen dies als Hindernis), Reputationsverlust und rechtliche Unsicherheit.

POSTPARADIGMA-Kommentar: Es ist immer die Frage, was genau mit Demokratie gemeint ist. Demokratisches Bewusstsein entsteht ja nicht nur, indem Unternehmen allgemein dafür werben. Es entsteht auch im Arbeitsprozess selbst. Leider macht diese Befragung - in guter liberaler Tradition - darum einen Bogen und verortet "Demokratie" nur in Staat und Zivilgesellschaft, aber nicht in der Sphäre von Wirtschaft und Betrieben. Dennoch ist es alarmierend, wenn ein Drittel der Befragten aus Unternehmen angibt, sie würden im Engagement für Demokratie ein Risiko sehen, weil dies zu einer Polarisierung in der Belegschaft führen könne.