Der Ausbau Erneuerbarer Energien ist nötig, aber regional nicht immer unumstritten. Die Studie zeigt auf, wie die regionale Wertschöpfung vom Ausbau profitieren kann.
Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung und der Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH die Studie "Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien" im Auftrag des Bundeswirtschaftsministerium vorgelegt.
Deutsche Städte und Landkreise könnten ihre Einnahmen aus erneuerbaren Energien mehr als verdoppeln, wenn sie die Ausbauziele für Wind- und Solaranlagen erreichen: von heute 5,5 auf 12,4 Milliarden Euro jährlich ab dem Jahr 2033. Die Studie zeigt mit Modellierungen für die rund 400 deutschen Landkreise und Städte sowie Analysen erfolgreicher Praxisbeispiele in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern, dass erneuerbare Energien die Regionen in Zeiten von Energiekrisen nicht nur unabhängiger bei ihrer Energieversorgung machen: Vor allem ländliche Regionen mit entsprechenden Flächenpotenzialen profitieren von der lokalen Energieerzeugung – mit mehr Steuereinnahmen, neuen Arbeitsplätzen und Gewinnen ansässiger Unternehmen. Sie erhalten dadurch größere finanzielle Spielräume etwa für bessere Infrastruktur. In Vorreiter-Regionen würden bis zu zehn Prozent des Wirtschaftswachstums der letzten zehn Jahre auf den Ausbau der Grünstrom-Infrastruktur zurückgehen. Zudem sei die Verfügbarkeit von grünem Strom zunehmend ein Standortkriterium für Unternehmen. Zudem sei in manchen Landkreisen der Erneuerbaren-Ausbau für bis zu vier Prozent der gestiegenen Steuereinnahmen der letzten zehn Jahre verantwortlich. Nicht alle Landkreise profitieren bisher gleich: So gäbe es ein Nord-Süd-Gefälle der Windenergiepotenziale aufgrund besserer Windverhältnisse im Norden. Aber Beispiele aus süddeutschen Landkreisen würden zeigen, dass Erneuerbare auch dort ausgebaut werden können und regionalwirtschaftliche Konzepte Vorteile bringen.
Weil ein Teil – vor allem der Großanlagen – nicht lokalen Akteuren, sondern externen Investoren gehöre, fließe allerdings knapp die Hälfte der Gewinne aus den Standortregionen ab. Doch finanzielle Beteiligungsmodelle, Bürgerenergiegesellschaften und kommunale Investitionen könnten dafür sorgen, dass mehr Wertschöpfung vor Ort bleibe und mehr Anwohner:innen von der Energiewende profitieren. Die Regionen sollten den Erneuerbaren-Ausbau aktiv gestalten und finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger:innen von Anfang an mitdenken. Bund und Länder können die Rahmenbedingungen dafür verbessern, indem sie:
- die Regionen und Kommunen durch Beratung und Information in die Lage versetzen, ihre regionalwirtschaftlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, etwa durch besser aufgestellte regionale Energieagenturen oder neue Beteiligungsleitlinien in Planungsprozessen,
- gesetzliche Hürden abbauen – etwa indem sie die Gründung von Bürgerenergiegesellschaften vereinfachen und vor allem den finanzschwachen Kommunen mehr eigene Investitionsmöglichkeiten eröffnen.
- Förderprogramme so ausrichten, dass regionale Wertschöpfung von Anfang an in die Planung einfließt, etwa durch Anforderungen an konkrete Beteiligungs- und Wertschöpfungskonzepte in den Förderrichtlinien.