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1 Min. Lesezeit Verteilungsgerechtigkeit

"Neoliberale" Globalisierung und ihr Niedergang / Branko Milanovic (Makronom)

Die neoliberale Globalisierung scheitere letztlich an ihren eigenen Grundprinzipien – Kosmopolitismus und Wettbewerb –, die trotz enormen globalen Wachstums soziale Verwerfungen und politische Gegenbewegungen erzeugten, so lautet die Zusammenfassung wichtiger Gedanken von Branko Milanovic in seinem Beitrag.

Der Text „Wie die ‚Vorzüge‘ der neoliberalen Globalisierung den Weg für ihren Niedergang ebneten" ist bei MAKRONOM veröffentlicht worden (ursprünglich auf Milanovics Substack-Kanal „Global Inequality and More 3.0")

Milanovic beschreibt die neoliberale Globalisierung von den 1980er Jahren bis in die 2020er Jahre als getragen von zwei Leitideen: Kosmopolitismus (die Vorstellung, alle Menschen seien gleich wichtig und wirtschaftlich leistungsfähig bei optimalen Bedingungen wie Eigentumsschutz, Freihandel und niedrigen Steuern) und globalem Wettbewerb. Diese Prinzipien führten zu beachtlichem Wachstum: Das weltweite Pro-Kopf-BIP verdoppelte sich zwischen 1980 und 2020/21, das Gesamtvolumen der Weltproduktion vervierfachte sich. Dieses Wachstum wurde jedoch primär durch asiatische Länder, insbesondere China, erzielt. In den reichen westlichen Ländern verzeichnete die Mehrheit der Bevölkerung nur etwa ein Prozent Wachstum jährlich, während die Einkommen der Reichen zwei- bis dreimal schneller stiegen. Der Kosmopolitismus der Gewinner:innen prallte gegen national organisierte politische Systeme.

Die enttäuschten Bürger:innen würden sich rechten Parteien zuwenden, die nationale Solidarität, Migrationsstopp und Reindustrialisierung versprechen. International wurde die Globalisierung zunehmend durch Neomerkantilismus ersetzt – mit Zwangsmaßnahmen, Zöllen und Handelsbarrieren. Der Text legt nahe, dass wirtschaftliche Öffnung ohne Berücksichtigung nationaler sozialer Kohäsion und Verteilungsgerechtigkeit politisch nicht dauerhaft tragfähig ist.

POSTPARADIGMA-Kommentar: Der Text reiht sich ein in die aktuelle Debatte über die Widersprüche des Liberalismus. Er zeigt auf, wie das Ignorieren von Respekt- und Verteilungsfragen den Weg für autoritäre und nationalistische Kräfte ebnete. Er unterstreicht die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels hin zu einer Wirtschaftsordnung, die gesellschaftlichen Zusammenhalt, gerechte Teilhabe und demokratische Legitimität stärker gewichtet als reines Wachstum.